Művelődés-, Tudomány- és Orvostörténeti Kiadó
Folyóirat: 2018/16
Cím: In memoriam Prof. Dr. med. Reinhold Schwarz (1929-2017)

Title: In memoriam of Prof. Dr. Reinhold Schwarz (1929-2017)
[Letöltés]
Szerző(k): Prof. Dr. med. Josef Makovitzky - Abt. für Neuropathologie der Universität Heidelberg/Inst. für Rechtsmedizin der Universität Frei
Rovat: Biográfiák, Kutatás fejlesztés
Kötet: 2019/18
DOI: 10.17107/KH.2019.18.366-369
Kulcsszavak:
Oncology, radiation therapy, gynecology, obstetrics, academic teacher
Keywords:
Onkologie, Strahlentherapie, Gynäkologie, Geburtshilfe, Hochschullehrer
Abstract:

Reinhold Schwarz was director of the gynecological hospital in Rostock 1993 – 1997. Next to gynecological oncology and radiation therapy his main scientific interests focused on physiology and pathophysiology of the cardiovascular system during pregnancy. He was an outstanding physician and a great academic teacher. Furthermore he published renowned textbooks on gynecology and obstetrics. In 1983 Reinhold Schwarz was appointed member of the German National Academy Leopoldina. He was honorary member of several national and international scientific societies


Reinhold Schwarz wurde als Sohn von Rudolf und Frida Schwarz am 25. Juli 1929 in Stuttgart geboren. Bereits im Alter von 7 Jahren zog die Familie von Stuttgart nach Leipzig um. Für Reinhold Schwarz, so berichtete er augenzwinkernd auch Jahrzehnte später, eine echte Herausforderung- auf sprachlicher wie auch auf zwischenmenschlicher Ebene.

1948 beendete er das Gymnasium mit dem Abitur. Im Anschluss studierte er bis 1953 Medizin an der Universität Leipzig.  Auch hier hatte promoviert.

Einen Teil seiner Assistenzzeit absolvierte er in der chirur-gischen Abteilung des Bergmannskrankenhauses Klettwitz in der Niederlausitz. Ab 1955 war er Assistenzarzt an der Universitätsfrauenklinik in Leipzig. 3 Jahre später folgte er seinem derzeitigen Mentor Prof. Dr. Helmuth Kyank an die Universitätsfrauenklinik nach Rostock. Hier wurde er 1959  Facharzt, 1963 habilitierte sich Reinhold Schwarz mit dem Thema: Das Verhalten des Kreislaufs in der normalen Schwan-gerschaft. /Untertitel: Verlaufsbeobachtungen mittels  physikalischer Kreislaufanalysen./

1964 wurde er zum Privatdozenten ernannt, zeitgleich wurde er stellvertretender Klinikdirektor. 1972 schloss er zudem die Weiterbildung zum Facharzt für Radiologie ab. Diese heute eher wenig verbreitete fachärztliche Mehrfachqualifikation  war damals nicht selten und ermöglichte u.a. eine hochqualifizierte und multimodale Therapie fortgeschrittener Genitalkarzinome.

1974 erfolgte die Berufung zum ordentlichen  Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Rostock. Dieses war insofern ungewöhnlich im akademischen Leben der DDR, da Reinhold Schwarz kein Mitglied der Regierungspartei SED war. Darüber hinaus war er ein engagierter Christ, der in einem kirchlichen Chor sang. Zwischen 1978-1981 war er Gastprofessor an der Universität Basra in Irak.

1983 wurde zum Mitglied der Deutschen Nationalen Akademie der Leopoldina (Halle an der Saale, die zweit älteste  Akademie in Europa) gewählt.

1981-1992 war Reinhold Schwarz Stellvertretender Direktor der Universitätsfrauenklinik, 1993 übernahm das Direktorat bis zu seiner Emeritierung 1997. Zwischen 1993 und 1996 war er darüber hinaus stellvertretender ärztlicher Direktor des Klinikums der Universität Rostock.

In den 4 Jahren unter seiner Leitung wurde die Universitätsfrauenklinik komplett renoviert und mit einem neuen Operationstrakt ausgestattet. Er unterstützte und erweiterte die Programme seines Vorgängers auf den Gebieten der Reproduktionsmedizin, der brusterhaltenden Therapie des Mammakarzinoms, der plastisch-ästhetischen Mammachirurgie und der routinemäßigen Mammographie.

Schwarz wurde auch gesellschaftspolitisch aktiv: 1989, also im Jahr der Wende, wurde er der erste frei gewählte Präsident der Gynäkologischen Gesellschaft der DDR. In dieser Funktion gehörte er zum Kreis derer, die erste Kontakte zum westdeutschen Berufsverband der Frauenärzte (BVF) knüpften. Hinzu kamen Prof. Schüßling / Frankfurt/Oder, Prof. Weise / Magdeburg, Prof. Seewald / Jena und Prof. Link  Dresden.

Schwarz war auch aktiv bei der Organisierung der Norddeutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.  In Anerkennung seiner Arbeit wurde er 1999 zum Ehrenmitglied dieser Gesellschaft gewählt. 2002 wurde er zudem  Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Zwischen 1988 bis 1993 war Professor Reinhold Schwarz wissenschaftliches Mitglied der Society of European Oncology.

1997 folgte Dr. Josef Makovitzky (Autor) der Einladung von Reinhold Schwarz und übernahm die Leitung der selbständigen gynäkopathologischen Abteilung an der Universitätsfrauenklinik Rostock. Die von seinem Vorgänger angelegte Sammlung makroskopischer Grossflachschnitte gynäkologischer Karzinom fälle wurde dank Makovitzkys Enthusiasmus und Schwarz´ Unterstützung kontinuierlich erweitert und leistete einen unschätzbaren Beitrag in der studentischen und ärztlichen Aus- und Weiterbildung. Unglücklicherweise fiel die Sammlung Ende 2004 im Rahmen des Umzugs der Frauenklinik in das Klinikum Süd Rostock mangelnder Umsicht und womöglich fehlendem Respekt gegenüber medizinhistorisch bedeutsamen Präparate zum Opfer.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Reinhold Schwarz nach seiner Emeritierung 1997 weiterhin über ein eigenes Studierzimmer in der Klinik verfügt. Hier konnte der Autor mit ihm wöchentlich zahlreiche interessante Krankheitsfälle, aber auch tagesaktuelle  Themen, Kunst und Kultur erörtern. Schwarz verfügte über ein umfangreiches Wissen. Auch aus diesem Grund war er nach dem Ausscheiden aus der aktiven ärztlichen Tätigkeit ein begehrter Gutachter.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte waren die gynäkolo- gische Onkologie und Strahlentherapie sowie die Physiologie und Pathophysiologie des Herz-Kreislaufsystems in der Schwan gerschaft. Reinhold Schwarz hat in seiner wissenschaftlichen Karriere zahlreiche Fachartikel, Buchbeiträge und Bücher publiziert, im Folgenden ein kurzer Auszug:

-Lehrbuch der Geburtshilfe. Kyank, Helmut. - Leipzig: Thieme, VEB, 1971

-Lehrbuch der Geburtshilfe. Kyank, Helmut. - Leipzig: Thieme, VEB, 1976, 2., veränd. Aufl.

-Gynäkologie und Geburtshilfe. Schwarz, Reinhold. - Berlin: Verlag Volk u. Gesundheit, VEB, 1977, 1. Aufl.

-Gynäkologie und Geburtshilfe. Schwarz, Reinhold. - Berlin: Verlag Volk u. Gesundheit, VEB, 1979, 2., überarb. Aufl.

-Gynäkologie und Geburtshilfe. Schwarz, Reinhold. – Berlin:  Verlag Volk u. Gesundheit, 1985, 3., überarb. Aufl.

-Gynäkologische Operationen. Kyank, Helmut. - Leipzig: Barth, 1986.

-Gynäkologische Operationen. Kyank, Helmut. - Leipzig: Barth, 1987, 2., durchges. Aufl.

-Gynäkologie und Geburtshilfe. Schwarz, Reinhold. - Berlin: Verl. Volk u. Gesundheit, 1988, 4., unveränd. Aufl.

-Gynäkologie und Geburtshilfe. Schwarz, Reinhold. - Berlin: Verl. Volk u. Gesundheit, 1989, 5. Aufl.

-Prä- und perinatale Infektionen. Scholz, Horst. - Jena: Fischer, 1991, 1. Aufl.

Er war ein sehr guter Lehrer, hielt unzählige Vorlesungen, welche exzellent vorbereitet waren. Vielen Zuhörern werden sein Zeichentalent und seine mitunter kriminalistisch präzise anmutenden Darstellungen in der Diagnosestellung seltener Erkrankungen in Erinnerung bleiben. Zu seinen Patienten hatte er häufig sehr guten, mitunter persönlich oder sogar herzlich erscheinenden Kontakt. Während seiner Operationen strahlte er  eine unerschütterliche Ruhe aus-  im Streben nach optimaler Therapie für die Patienten.

Heute ist die Universitätsfrauenklinik Rostock eine führende Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Ostseeraum, dieses verdankt sie ihren Leitern- den Professoren Kyank, Wilken, Schwarz, Friese, Briese und auch ihrem heutigen Direktor Prof.  Gerber.

Reinhold Schwarz war ein ausgezeichneter Gastgeber mit viel Humor und ein von seinen Gästen sowohl geschätzter Hobbykoch wie auch Barkeeper. Ein Anhänger von der Lehre vom Ignaz Philipp Semmelweis

Er war ein Freund der Natur, liebte die Ostsee, die Küste und die Alpen in Österreich und in der Schweiz. Er sprach häufig mit Begeisterung über seinen Aufenthalte in Wien, Prag und Budapest. Zu seinen Freunden zählte er u.a. Professor Zoltán Papp aus Budapest, mit dem er bis zu seinem Tod in regelmäßigem Kontakt stand.

2007 verließ Schwarz die Stadt Rostock in Richtung Leipzig mit seiner Frau. Er wurde auch hier gesellschaftlich aktiv und kämpfte für die symbolische Herstellung der 1968 gesprengten Universitätskirche in Leipzig. In dieser Kirche wurde die Universität Leipzig 1419 gegründet, hier predigte Dr. Martin Luther und auch hier spielte Johann Sebastian Bach die Orgel.

Reinhold Schwarz starb am 1. Dezember 2017 in Leipzig.

Sein Name wird in zahlreichen deutschen und europäischen Fachgesellschaften und an der Universität Rostock in Erinnerung bleiben. Wir erinnern uns seiner als hervorragenden Arzt, eindrucksvollen Hochschullehrer, wachen Geist, intelli- genten Zuhörer und motivierenden Denker.

Literatur:

https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_Schwarz_(Gynäkologe)

Biografie Schwarz, Reinhold im Catalogus Professorum Rostochiensi­um

Tabellarischer Lebenslauf aus der Personalakte der Universität Rostock

Verzeichnis der wissenschaftlichen Arbeiten aus der Personalakte der Universität Rostock

Link M. Im zwölften Jahr der deutschen Einheit. In: 50 Jahre Berufs­verband der Frauenärzte. Frauenarzt 1992; 43: 194–196.

Bolz M, Gerber B. Professor Reinhold Schwarz zum 80. Geburtstag. Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern 2009; 7: 271.

Bolz M, Gerber B. Nachruf für Professor Dr. med. Reinhold Schwarz. Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern 2018; 28: S70–S71.

Makovitzky J.: In  memoriam.Reinhold Schwarz német nőgyó- gyászprofesszor emlékezete (1929–2017) Orvosi Hetilap (Ungarische Medizinische Wochenschrift) 2018. 159 évf. Nr. 48. S 2043-2044 https://doi.org/10.1556/650.2018.HO2614